Von der Bäckerei zur Fahrradwerkstatt: So fährt Annika Maes mit Düsselrad in die Zukunft
„Hier war doch mal eine Bäckerei?” Vermutlich reiben sich einige Kunden die Augen, wenn sie das Fahrradgeschäft betreten. Anstelle von Broten liegen in den Regalen nun Pedale, Klingeln und Schläuche. „Ich wollte die Theke und die Regale behalten“, sagt die neue Inhaberin Annika Maes.
Düsselrad in neuem Glanz
Sie hat das übernommen, was ihr Vater über Jahrzehnte aufgebaut hat: Düsselrad. Der Name ist in der Stadt bekannt für gute Arbeit, seltene Marken und vor allem für eine bestimmte Haltung. Franz-Josef Maes, Jojo, so sein Spitzname, ist ein Fahrradkenner, immer für die Kunden da, eine Anlaufstelle. Sie schätzten seine fachliche Beratung. „Wenn Reparaturen fällig sind, würde ich nie einem Kunden ein neues Fahrrad aufschwatzen“, lautete seine Devise. Ganz in seinem Sinn führt Annika den Betrieb weiter.
Dass sie das Geschäft eines Tages übernehmen würde, stand früh fest. Ihr Vater bestand jedoch darauf, dass sie zuvor eine handwerkliche Ausbildung abschließt. „Er wollte, dass ich etwas mit den Händen lerne“, erzählt sie. Doch der Weg dorthin war nicht einfach. In der Fahrradbranche gibt es nur wenige Ausbildungsplätze. Für junge Frauen war die Situation vor einigen Jahren noch schwieriger. „Manche Werkstätten hatten einfach keine Möglichkeit, eine junge Auszubildende aufzunehmen, schon wegen der Auflagen. Zum Beispiel wegen der getrennten Toiletten“, sagt sie. Sie schaffte dann schließlich die Ausbildung zur Zweiradmechatronikerin in Fachrichtung Motorradtechnik. Heute ist sie Meisterin für alle Zweiräder, repariert allerdings nur noch Fahrräder.
Fahrräder der besondern Marken
Wo früher Hefeteilchen lagen, liegen jetzt teure Ledersättel. Das Angebot an Fahrrädern und Zubehör entspricht dem Stil von Düsselrad: klassisch und hochwertig. Alu Räder sucht man hier vergebens. Die Chefin setzt auf Qualität, zeitloses Design und ausgefallene Marken. Sie ist in Deutschland die Einzige, die die schwedische Marke „Pilen” vertritt. Im Angebot ist auch „Achielle“, ein belgisches Familienunternehmen, das unter anderem klassische E-Bikes in der hauseigenen Werkstatt herstellt. Mit ihren Stahlrahmen aus eigener Produktion und modernen Komponenten wie Riemenantrieben, Nabenschaltungen und hydraulischen Scheibenbremsen bieten sie eine gute Qualität. Auch die Marke „Retrovelo” aus Leipzig ist dafür bekannt, individuelle Retro-Fahrräder zu fertigen, die auf den persönlichen Wünschen der Kundinnen und Kunden basieren und einzigartige Einzelstücke sind. Wer sich für die besondere Qualität entscheidet, kann auch die Möglichkeit des Leasings beanspruchen. Annika Maes bietet den Service an und arbeitet mit verschiedenen Leasing-Anbietern zusammen.
Das Düsselrad als Hausmarke hat viele Fans. Doch das Kultrad wird derzeit nicht produziert, da die Bielefelder Manufaktur keine Stahlrahmen mehr herstellt. Annika klingt bedauernd, aber nicht verärgert. Veränderungen gehören dazu, auch das hat sie von ihrem Vater gelernt.
Etwa 50 Fahrräder hat sie bereits im vergangenen Jahr verkauft und viele Reparaturen durchgeführt. „Es läuft gut, und viele in Lörick sind glücklich, dass es uns gibt“, berichtet sie. Wichtig ist ihr, dass sie mit ihrem Geschäft ein unverkennbares Profil hat und auf eigenen Füßen steht.




