Thomas Druyen: Die Wiederkehr des Guten
Rezension von Elita Wiegand
Wir leben in einer Zeit der Dauerkrisen: militärische Konflikte, Fake News und Manipulationen, die unsere Demokratie untergraben, ökologische Zerstörung und eine sich atemberaubend schnell entwickelnde KI. Die kollektive Erschöpfung ist überall spürbar. Wir fühlen uns überfordert, abgehängt und übergangen. Genau diese Hochgeschwindigkeit führt auch zur Rückwärtsgewandtheit: Viele klammern sich an die Vergangenheit und wünschen sich, dass alles so bleibt, wie es einmal war.
Was also tun? Wie kommen wir ins Handeln?
Die Antwort heißt Konkrethik. Ein Begriff, den Prof. Dr. Thomas Druyen geprägt hat und der zu seinem Lebensbegleiter geworden ist. All seine Erkenntnisse, sein Wissen und seine Erfahrungen sind in sein neues Buch „Die Wiederkehr des Guten. Über die Macht der Tat in einer Welt der Absichten” eingeflossen, das er selbst als sein Lebenswerk bezeichnet. Für mich ist es ein Meisterwerk. Eine Warnung vorweg: Es ist auch eine Herausforderung für die Lesenden, unbequem und wachrüttelnd. Er verlangt, die eigene Haltung zu prüfen, sich selbst zu hinterfragen, Verantwortung zu übernehmen und selbstwirksam zu handeln.
Wer Konkrethik will, wird sich verändern
Die unbequeme Wahrheit dahinter: Auch ich suche gerne mal Schuldige für die Umstände, verschanze mich hinter der eigenen Unfähigkeit, Konsequenzen zu ziehen, verkrieche mich in mein Schneckenhaus. „Doch wer Konkrethik will, wird sich verändern“, schreibt Druyen.
Gesagt, getan!
ZukunftsMacher Thomas Druyen berichtet, wie der alte, fast banale Satz „es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ für ihn plötzlich eine ganz praktische Bedeutung bekam: dass wirkliche Freiheit erst im Handeln selbst liegt, im tatsächlichen Tun. Er beschreibt, wie er förmlich spüren konnte, wie sein Gehirn dabei in neue Bahnen gelenkt wurde. Und immer, wenn die Kraft nicht reichte, um den inneren Schweinehund zu überwinden, griff er zu seinem konkrethischen Motto: dictum factum, gesagt, getan.
Einfache Formeln verspricht er trotzdem nicht. Im Gegenteil: Er macht deutlich, wie ernst es ihm ist, wenn er schreibt, dass guter Wille allein nicht reicht. „Wirkung ist wichtiger als Absicht“, so Druyen, „Konkrethik bewertet das Getane, nicht das Gemeinte.“ Wer tut, lebt. Wer es lässt, wird gelebt.
Politik und KI auf dem Konkrethik Prüfstand
Bemerkenswert ist auch, wie klar sich der Autor politisch positioniert. Er beschreibt, wie sich das politische Personal in geschlossenen Zirkeln selbst rekrutiert, ohne dass das Missmanagement je Konsequenzen hätte, wie es in der Wirtschaft der Fall wäre. Und er macht unmissverständlich klar, dass niemand auf Institutionen und die Politik warten sollte, um bei der Umweltkrise ins Handeln zu kommen. Dies sind nur zwei von vielen Beispielen im Buch, die jedoch die Konsequenz seines Denkens zeigen: Konkrethik gilt überall und sie gilt auch bei der Künstlichen Intelligenz. „KI wird rechnen, optimieren, prognostizieren“, schreibt Druyen, „aber sie wird keine Entscheidung verantworten.“ Die Verantwortung, so seine klare Ansage, bleibt beim Menschen.
Der Zukunftskompass schafft Distanz zur Gegenwart
Ganz praktisch wird es beim Zukunftskompass, dem zentralen Werkzeug der Konkrethik: einer Methode, die bewusst Distanz zur Gegenwart schafft. Wie möchte ich in zehn Jahren leben? Und was ist ganz konkret das Richtige, das ich schon heute tun kann? Ich habe die Übung selbst gemacht, und war überrascht, wie sehr mich die Frage nach der eigenen Zukunft bewegt hat. Genau darin liegt die Stärke dieses Buches: Es bleibt nicht bei der Analyse stehen, sondern gibt uns Wandel-Werkzeuge an die Hand.
F+4, Freiheit plus vier Pflichten
Dazu gehört auch F+4, Freiheit plus vier Pflichten: frei werden vom Druck fremder Meinungen, frei werden von den eigenen Urteilen über andere, frei werden von der eigenen Meinung, und schließlich frei werden für eine neue, bessere Möglichkeit. Weit mehr als eine Methode zur persönlichen Beruhigung: Es ist die mentale Grundlage für eine neue Handlungsepoche, aus der eine neue gesellschaftliche Ordnung entstehen könnte.
Mehr als eine Empfehlung
Dieses Buch ist mehr als eine Lese-Empfehlung. Ich wünschte mir, dass viele Menschen mit ihm arbeiten, ins Handeln kommen, Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft übernehmen und ein selbstbestimmtes Leben führen. Denn Selbstwirksamkeit bedeutet, dass jeder mit dem eigenen Handeln tatsächlich etwas verändern kann.
Gesagt, getan!
Buchtipp

Die Wiederkehr des Guten. Über die Macht der Tat in einer Welt voller Absichten.
Prof. Dr. Thomas Druyen
Herder Verlag
Zu bestellen – hier…
Weitere Informationen
Prof. Dr. Thomas Druyen ist Soziologe, Buchautor, Institutsgründer, Stiftungspräsident und einer der prägenden öffentlichen Denker für Vermögen, Zukunft und mentale Handlungsfähigkeit im deutschsprachigen Raum. Seit 2007 ist er ordentlicher Professor an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien.
Dort leitet er seit 2009 das Institut für Vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie und seit 2015 zusätzlich das Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement.
Er ist auch CEO und Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung gGmbH.
- Konkrethik Website: https://konkrethik.de




