Maschinendorf Düsseldorf: Makerspace mit Herz und Werkbank


Maschinendorf Düsseldorf: Makerspace mit Herz und Werkbank

von Elita Wiegand

Freitagvormittag, ein Hinterhof in Düsseldorf-Flingern, drei Etagen, 2.500 Quadratmeter. Am Eingang prangt das Wort „MACHEN” auf dem großen Schild. Das passt zu dem Maschinendorf, einem Makerspace, in dem früher der Tischlermeister Otto Kunze seine Möbel gebaut hat. Er hat die Tischlerei 1970 errichtet, heute riecht es hier nach Holzspänen, Metall oder Öl. Geschäftsführer Markus Lezaun begrüßt mich herzlich. Er führt mich durch die Werkstätten und Lager. Hier gibt es Raum für Handwerker, Künstler, Kreative und Hobby-Tüftler, die sägen, schweißen, hobeln, schrauben, oder auch töpfern, nähen oder drucken wollen.

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Maschinendorf | Geschäftsführer Markus Lezaun

Vom Coworking Space zum Maschinendorf 

Markus Lezaun ist gelernter Werbekaufmann. Er hat lange als Texter in der Werbung gearbeitet, dann Digitalagenturen und Bildungsträger gegründet. Vor 15 Jahren hat er mit ein paar Bekannten einen der ersten Coworking Spaces in Düsseldorf ins Leben gerufen. Parallel dazu betrieb ein Verein eigene Werkstätten für Hobbyisten auf derselben Fläche. Aus dieser Zusammenarbeit hat sich über die Jahre etwas Größeres entwickelt. Vor zwei Jahren übernahm das Team die ehemalige Tischlerei Kunze und baute sie zum Maschinendorf um: eine offene Werkstatt mit Tischlerei, Metallwerkstatt, Keramikwerkstatt, 3D-Druckerei, Textilwerkstatt und Siebdruckerei.

„Ich dachte eigentlich, wir ziehen hier ein, machen die Webseite neu, machen ein bisschen Insta, das läuft dann von alleine, nach einem halben Jahr kann ich wieder was anderes machen“, erzählt Markus und lacht. Er ist geblieben. Inzwischen ist der Break-even erreicht. „Wir verlieren kein Geld mehr. Das ist für uns ein wichtiger Schritt, damit wir dieses Modell dauerhaft betreiben können.“

Gemeinnützig statt Reibach

Das Maschinendorf ist als gemeinnützige GmbH organisiert, das war eine bewusste Entscheidung. „Den Riesenreibach werden wir hier sowieso nicht machen, das war von vornherein klar“, sagt Lezaun. „Wenn sich das Ding trägt, dann ist alles wunderbar.“ Inzwischen zählt das Maschinendorf 700 bis 800 zahlende Kunden pro Monat. Für einen Mitgliedsbeitrag von 9 Euro kann man einsteigen und nach einer Einweisung die Maschinen nutzen. Wer regelmäßig kommt, zahlt entsprechend mehr; Handwerksbetriebe können sich auch fest einmieten.

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Ein Rundgang durch die Werkstätten

Der Weg durch die Räume ist wie eine Reise durch unterschiedliche Welten, ein Abenteuerspielplatz.  In der Siebdruckwerkstatt, eine der wenigen offenen dieser Art in Düsseldorf, drucken Mitglieder nach einer kurzen Einweisung ihre eigenen T-Shirts oder, wie Lezaun erzählt, „eine handgedruckte Weihnachtskarte” für Kunden. Vorne betreibt ein Verein eine Fahrradwerkstatt. Donnerstagabends sitzen dort zwei, drei Werkstattleiter und praktizieren, was sie „betreutes Schrauben” nennen. Das Besondere ist: Sie zeigen jedem, wie es funktioniert. 

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Die Keramikwerkstatt, die mit Drehscheiben und mehreren Öfen ausgestattet ist, wird komplett ehrenamtlich organisiert. Ein Stück weiter stehen 3D-Drucker für Ton: Anstelle von Kunststoff kommt hier Ton aus der Düse und Druckluft sorgt dafür, dass Teekannen oder Tassen entstehen. In der Holzwerkstatt sind gerade die Drechselmaschinen besonders beliebt und vor allem bei Frauen sehr gefragt. Wer die großen Maschinen nutzen möchte, benötigt zuvor eine Einweisung, aus Sicherheitsgründen, obwohl es bislang noch nie einen Unfall gegeben hat.

Im Haus haben sich außerdem kleine Unternehmen eingemietet: ein Händler für Designermöbel aus den 80er-Jahren, ein Künstler und Architekt von der Kunstakademie, der mit 3D-Scans arbeitet und bewusst unvollständige, „zerfaserte“ Räume nachbaut, sowie ein Unternehmer, der Füllstandsanzeigen für Pellet-Tanks entwickelt. Davor pendelte er in eine Werkstatt in der Nachbarstadt, heute teilt er sich die Fläche im Maschinendorf. „Das ist ein Beispiel dafür, dass es in einem urbanen Raum wie Düsseldorf sinnvoll ist sich die Flächen intelligent zu teilen, betont er.

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Foto: Küss den Frosch

Eine der schönsten Geschichten erzählt Lezaun über eine Kundin: eine junge promovierte Juristin und Notarin aus Neuss. Sie belegte beim Sommerfest einen Kurs namens „Schrottschweißen für Ottos ”.  Ihr machte es total Spaß auf ihrem Alltagstrott auszubrechen und mit Elektrizität, Strom und Metall zu arbeiten. Am Ende hatte sie ein großes Metallobjekt zusammengefügt.

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Der nächste Schritt: Qualifizierung für Flüchtlinge

Aktuell arbeitet das Maschinendorf an einem Projekt, das über die Werkstattarbeit hinausweist: Das Team lässt sich als Bildungsträger zertifizieren, um Menschen, die mit langjähriger Berufserfahrung als Flüchtling nach Deutschland kommen, aber keine anerkannten Nachweise mitbringen, eine sogenannte Kenntnisfeldüberprüfung anzubieten. Lezaun zitiert dazu Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller:“ Gemeinsames Arbeiten könne für Integration „der effizienteste Weg” sein.

Die Zertifizierung läuft seit dem Sommer. Lezaun hofft, im Oktober ein erstes Go zu bekommen.

Selbstwirksamkeit

Als ich das Maschinendorf verlasse, steigt die Lust auf, kreativ zu werden, mit den Händen zu arbeiten, etwas auszuprobieren und dafür jetzt einen inspirierenden Ort zu kennen. 

Zum Schluss muss ich an den Satz vom Anfang unseres Gesprächs denken: Der Riesenreibach war hier nie das Ziel. Was stattdessen entstanden ist, wirkt wie ein Gegenentwurf zu leerstehenden Gewerbeflächen und teuren Einzelwerkstätten, ein Ort der Gemeinschaft, der große Nutzen bietet. Hier wird in Zeiten von KI Selbstwirksamkeit spürbar.

Kontakt

Maschinendorf Düsseldorf 
Markus Lezaun

Birkenstraße 23
40233 Düsseldorf

Mail: hallo@maschinendorf.de  

Web: https://www.maschinendorf.de

Tel. +49 211 78 176 860