Wie ein Freiburger Start-up Erde regeneriert
Was ist nötig, damit Erde wieder fruchtbar wird, Pflanzen widerstandsfähiger werden und der Anbau nachhaltiger wird? Diana Auwärter hat mit „Erdverbesserer” ein Produkt entwickelt, das auf Pflanzenkohle und Bodenleben setzt. Im Interview mit Elita Wiegand erzählt sie, wie aus ihrem persönlichen Interesse am Gärtnern ein Start-up mit Sinn entstand und warum es ihr um die Regeneration der Erde geht.
Warum hast Du den permarada Erdverbesserer gegründet und welches Interesse steckt dahinter?
Diana Auwärter: Mich hat schon als Kind beschäftigt, warum wir technisch zum Mond fliegen können, aber gleichzeitig Menschen hungern. Ich esse selbst gerne und wollte verstehen, wie wir gute Lebensmittel sicher erzeugen können. Ich habe praktisch angefangen und auf dem Balkon und Garten gegärtnert.
Da ich nicht die fleißigste Gärtnerin bin, hat mich die Permakultur fasziniert, also die Idee, mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie. Wenn man Systeme gut durchdenkt, braucht man weniger Aufwand und Energie. Ich habe Kurse besucht, Projekte kennengelernt und Modellhöfe gesehen und dabei viele spannende Ansätze entdeckt.
Dabei bist Du auf Terra Preta gestoßen. Was verbirgt sich dahinter?
Diana Auwärter: Terra Preta ist eine fruchtbare Schwarzerde, die von indigenen Völkern im Amazonasgebiet stammt. 1878 berichteten Forscher erstmals von tiefschwarzen Erdböden in Gebieten entlang des Amazonas. Diese Böden unterschieden sich deutlich von den dort üblichen, unfruchtbaren hellen Ferralsol-Böden. In ihnen hatte man Tonscherben, Überreste von Pflanzenkohle und Steinwerkzeuge gefunden. Das Spannende daran ist: Terra Preta entstand in einer eigentlich nährstoffarmen Umgebung und hat dennoch große Populationen ernährt.
Heute weiß man, dass zwei Dinge entscheidend sind: eine aktive Mikrobiologie aus Mikroorganismen und Pilzen sowie Pflanzenkohle. Diese Kombination kann Wasser und Nährstoffe hervorragend speichern und gleichzeitig Kohlenstoff langfristig im Boden binden.
Von der Terra Preta Entdeckung bis zum eigenen Produkt war es sicherlich ein langer Weg. Wo lagen die Hürden?
Diana Auwärter: Ich wollte Pflanzenkohle zunächst für meinen eigenen Balkon nutzen, aber die verfügbaren Produkte waren eher für Profis gedacht. Doch ich war gleichzeitig fasziniert von dem Potenzial: weniger Gießen und Aufwand, bessere Ernte und Klimaanpassung.
Ich habe gemerkt, dass wir selbst etwas bewirken können, auch im Kleinen. Wir können Lebensmittel anbauen, den Wissensschatz der indigenen Völker mit moderner Wissenschaft verbinden und CO₂ fixieren. Doch ein benutzerfreundliches Produkt mit allem drin, das wir wollten, gab es nicht. Zunächst hatten wir den Unterschied zwischen purer, aktivierter und aufgeladener Pflanzenkohle nicht verstanden. Also haben meine Familie und ich begonnen, selbst zu experimentieren. Später hatten wir das große Glück passende Experten zu finden, die mit uns das geschaffen haben, wie wir es wollten und was es vorher noch nicht gab.
Eine weitere Hürde war die Kommunikation: Wie nennt man ein solches Produkt? Laut Deklaration wäre es ein Dünger. Aber es ist so viel mehr als das. In der Fachsprache würde man Bodenhilfsstoff sagen plus Bodenaktivator. Dann dachte ich: Wenn ich in einem Gartencenter stehe, verstehe ich es doch nicht. Am Ende haben wir uns für den Namen „Erdverbesserer” entschieden.
Was genau macht den Erdverbesserer aus?
Diana Auwärter: Der Kern besteht zu etwa 75 Prozent aus aktivierter und aufgeladener und somit veredelter Pflanzenkohle. Diese entsteht durch schadstofffreie extrem heiße Pyrolyse, also Verkohlung ohne Sauerstoff (nicht mit Grillkohle vergleichbar). Dabei wird Kohlenstoff stabil gebunden. Die Kohle hat eine poröse Struktur, ähnlich einem Schwamm. Sie kann Wasser speichern und bietet Mikroorganismen Lebensraum. Gleichzeitig wirkt sie wie ein Magnet für Nährstoffe. Wichtig ist, dass diese Kohle mit Mikroorganismen „aktiviert“ ist und mit Nährstoffen „aufgeladen“ ist. Erst dann entfaltet sie ihre volle Wirkung.
Du hast Mikroorganismen und Pilze erwähnt. Welche Rolle spielen sie?
Diana Auwärter: Mikroorganismen und Mykorrhiza-Pilze gehen eine Symbiose mit Pflanzen ein. Sie erweitern das Wurzelsystem, stärken das Immunsystem der Pflanze, erschließen Wasser und Nährstoffe und machen sie für die Pflanze verfügbar. Man kann sich das wie ein unterirdisches Netzwerk vorstellen, das die Pflanze unterstützt und stabiler macht.
Für wen eignen sich Euere Produkte?
Diana Auwärter: Für alle, die Pflanzen haben. Zimmerpflanzen, Balkonkästen, Hochbeete, Gewächshäuser, Gärten, Bäume und Hecken. Einschränkungen gibt es bei Pflanzen, die sehr saure Böden bevorzugen, wie zum Beispiel Heidelbeeren.
Welches Feedback habt ihr bisher zu dem Erdverbesserer erhalten?
Diana Auwärter: Viele kennen das Thema nicht, gleichzeitig verstehen Interessierte den Nutzen. Sie müssen die Erde nicht ständig austauschen, sondern können sie einmalig mit einem Teil Erdverbesserer auf neuen Teile Erde dauerhaft regenerieren. Spannend ist, dass erfahrene Gärtnerinnen und Gärtner das Prinzip sofort erkennen. Wir bekommen viele Rückmeldungen und Lob. Dazu gehören bessere Ernten, aber auch widerstandsfähigere Pflanzen. Das System regeneriert sich. Erste Effekte sind manchmal schnell sichtbar, doch die eigentliche Stärke zeigt sich erst nach einigen Monaten und wird dann immer besser. Das liegt daran, dass es eine Weile dauert, bis die Pflanzen die Erde im Zusammenspiel mit der Mikrobiologie im Erdverbesserer aufbauen.
Du sprichst auch von einem größeren Zusammenhang, der über den Garten hinausgeht. Was meinst Du damit?
Diana Auwärter: Gesunde Erde hat einen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Mikrobiom. Eine lebendige Bodenmikrobiologie führt zu nährstoffreicheren Pflanzen mit mehr sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen und Mineralien. Dieser Zusammenhang wird aktuell unter dem Ansatz „One Health“ erforscht. Die Erde ist wie eine Art Blackbox mit enormer Biodiversität und ein Hebel für viele Themen: Wasserhaushalt, Ernährung und Klima.
Was ist Dir persönlich dabei am wichtigsten?
Diana Auwärter: Dass wir anfangen, der Erde, die uns so viel schenkt, wieder etwas zurückzugeben. Es ist ein Kreislauf: Wir füttern etwas der Erde, die Erde nährt die Pflanzen und die Pflanzen wiederum uns. Ich wünsche mir, dass viele Menschen anfangen, kleine Schritte zu gehen, und dabei erleben, wie regenerativ das auch für sie selbst sein kann.







