ZukunftsMacher Buchtipp
Menschlich führen – kraftvoll wirken
von ZukunftsMacher Helmut Scheel
„Menschlich führen und kraftvoll wirken“ ist ein herausfordernder Titel für ein Sachbuch über Menschenführung in Organisationen. Dr. Bernhard Schmalzl und sein Co-Autor Martin Lindhuber nehmen diese Herausforderung an, die sie sich mit der Überschrift selbst gestellt haben. Doch sie gehen sogar noch einen Schritt weiter mit dem Untertitel: „Verbinde die Menschen, stärke deine Organisation!“
Sie stellen sich auch die ehrliche Frage, ob es dieses Buch überhaupt braucht, da der Buchmarkt mit Führungsliteratur bereits mehr als gesättigt zu sein scheint. Und es ist kein Wunder, dass sie diese Frage mit Ja beantworten, denn sonst gäbe es ihr Buch nicht.
Der Beipackzettel
Die beiden Autoren versuchen, die Führung von Mitarbeitenden — und hier ist mehr gemeint als nur ein Unternehmen, sie sprechen bewusst von Organisationen — entlang des 1.500 Jahre alten Regelwerks des Hl. Benedikt von Nursia zu entwickeln. Es ist daher nicht übermäßig verwunderlich, dass der Hauptteil mit einem „Beipackzettel“ beginnt, so die Überschrift von Teil A.
Die Beipackzettel erinnern an Arzneimittel, und gerade bei langfristig anzuwendenden Therapien sind sie eine wichtige Ergänzung. Und auch für das Buch gilt: Die Dosis macht das Gift. Für jeden der zehn Abschnitte gilt dies, selbst für den Hinweis auf den Humor, mit welchem der „Beipackzettel“ auf die Regula Benedicti beginnt, dass man „häufiges und ungezügeltes Gelächter nicht lieben“ soll.
Trotzdem ist Humor, so die beiden Strategieberater, ein Türöffner zu vielen Menschen. Er beginnt damit, sich selbst nicht immer ernst zu nehmen. Damit lässt sich die Tür zu den Schätzen der Mitarbeitenden und Kolleginnen und Kollegen öffnen. Wer die Werte seiner Weggefährten in einer Organisation kennt, kann diese bewusst einsetzen, ohne sie auszunutzen. Wertschätzung ist eine hohe Kunst der Führung.
Schmalzl und Lindhuber strukturieren den Hauptteil in „Zehn (An)Gebote für eine wertegeleitete Führung“. Diese haben sie aus dem mönchischen Regularium extrahiert, um sie für die heutige Zeit und für moderne Organisationen anwendbar zu machen. Da beide das Strategieberatungsunternehmen Esteamacon gegründet haben und es führen, verfügen sie auch über praktische Erfahrung und verlassen sich nicht auf eine rein theoretische Analyse.
Doch wie überträgt man eine 1.500 Jahre alte Anweisung in die Moderne? Und für viele noch unvorstellbarer: Wie überträgt man klösterliche Regeln auf ein Wirtschaftsunternehmen und damit in eine ökonomische Welt? Diese Fragen bleiben offen, denn es zählt das Ergebnis. Das Buch bringt alte Begrifflichkeiten in einen aktuellen Kontext, behält dabei aber das Besinnliche bei.
Obwohl das Buch für die Thematik einfach geschrieben ist und durch humoristische Anmerkungen im fachlichen Kontext aufgeheitert wird, trägt das Werk eine einladende Art. Einladend ist in diesem Zusammenhang als Einladung zu eigenem Denken, zur Besinnung und fast schon zum Meditieren zu verstehen. Es bleibt durch konkrete Beispiele bodenständig und lädt doch dazu ein, über sich und damit fast schwebend, nachzudenken. Darauf kann an der einen oder anderen Stelle durchaus ein Absturz in die Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit folgen.
Selbstführung und Wirkung
Damit sind wir bei einem weiteren unterschwelligen Punkt angelangt, der abseits der zentralen Führungsliteratur steht: der Selbstführung. Gerade die Selbstreflexion begleitet elegant durch das Buch. Unaufdringlich, aber konkret. Eine zentrale Aussage dazu lautet: Wer sich nicht selbst führen kann, kann auch niemand anderen führen.
Allein in solchen Aussagen klingt das klösterliche und mönchische Leben an. Ob zu Zeiten Benedikts oder heute. Denn die benediktinischen Regeln haben die fünfzehn Jahrhunderte auch deshalb überlebt, weil sie funktionieren und zwar nicht wie eine Maschine, sondern wie das Leben, mit all seinen Großartigkeiten und Fehlern.
Fazit
Damit ist den Autoren Schmalzl und Lindhuber mit „Menschlich führen – kraftvoll wirken“ ein schwieriger, aber doch leicht wirkender Balanceakt gelungen: altes Wissen zeitlos zu übertragen und Spirituell-Geistliches in ökonomische Wirklichkeit zu transferieren. Es ist eine tiefgehende Lektüre, wenn man sich darauf einlässt.
Der Schlüssel dazu, in welchem gedanklichen Stock man dem Gedanken Zutritt gewährt, liegt bei der Leserin oder dem Leser selbst. Aber Achtung: Das Buch könnte langfristige Folgen haben, weshalb der „Beipackzettel“ am Anfang berechtigt und wichtig ist. Sie brauchen dazu jedoch nicht Ihren Arzt oder Apotheker zu befragen, vielleicht aber Ihre Mitmenschen.
Buchtipp
Menschlich führen – kraftvoll wirken
Bernhard Schmalzl und Martin Lindhuber
Herder Verlag





