Jordan Olivenöl: Nachhaltigkeit beginnt beim Anbau und endet bei der Verpackung
Jordan Olivenöl ist seit Jahren dafür bekannt, Nachhaltigkeit konsequent in die Praxis umzusetzen. Nun setzt das Unternehmen neue Maßstäbe. Das Unternehmen präsentiert eine Papierflasche.
Im Interview mit Elita Wiegand erklärt Bastian Jordan, Gründer, Olivenbauer und Geschäftsführer von Jordan Olivenöl, warum die neue Verpackung für ihn nicht nur eine Innovation ist, sondern Teil der Unternehmensphilosophie.
Jordan Olivenöl gilt seit Jahren als Vorzeigeunternehmen im Bereich Nachhaltigkeit. Welche Kriterien sind für dabei entscheidend?
Bastian Jordan: Beim Olivenanbau auf Lesbos arbeiten wir unter natürlichen Bedingungen und wirtschaften naturnah. Wir verzichten auf die Bewässerung, wodurch die Bäume tiefer wurzeln, robuster werden und wertvolle Wasserressourcen geschont werden. Dazu kommt der soziale Aspekt: Wir arbeiten mit befreundeten Kleinbauern zusammen. Nachhaltigkeit ist für uns deshalb nicht nur eine Frage des Produkts, sondern immer auch eine Frage des Umgangs miteinander. Es geht darum, an vielen Stellen gleichzeitig besser zu werden.
Nun kommt etwas Neues hinzu: die Verpackung. Wie kam es zu der Idee, Olivenöl in einer Papierflasche abzufüllen?
Bastian Jordan: Ich habe 2022 erstmals von einer Weinflasche aus Papier gelesen und fand das sofort spannend. Die Lösung war damals allerdings auf Wein ausgelegt, nicht auf Olivenöl. Trotzdem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Ich habe mir dann zunächst selbst eine solche Flasche besorgt und mir angeschaut, wie das technisch funktioniert. Schnell wurde klar: Für Olivenöl reicht es nicht, die bestehende Lösung für Weinflaschen zu übernehmen. Der Flaschenhals war für unsere Zwecke viel zu groß, und auch der Ausgießer war nicht geeignet. Hinzu kam, dass das Innenmaterial nicht für Olivenöl geeignet war und außerdem kein Monomaterial darstellte. Der Monomaterial-Anspruch bezieht sich auf den Innenbeutel (damit er sauber recyclingfähig ist), der Verschluss ist ein separates, kompostierbares Element. Das heißt: Wir mussten uns Schritt für Schritt viele technische Antworten finden und haben vier Jahre an der Lösung gearbeitet. Es gab viele Zwischenschritte, viele Tests und auch Rückschläge. Zunächst musste das Innere der Flasche so entwickelt werden, dass es lebensmittelecht und recyclingfähig ist. Danach haben wir uns dem Ausgießer gewidmet.

Auf welche weiteren Herausforderungen seid Ihr gestoßen?
Bastian Jordan: Für solche Mengen gibt es am Markt kaum Standardlösungen für den Ausgießer, und die vorhandenen Varianten waren für uns nicht geeignet. Deshalb mussten wir ihn selbst entwickeln. Am Ende haben wir acht Varianten gebaut, bis eine Lösung wirklich gepasst hat: Sie ist tropffrei, funktional und auf Olivenöl abgestimmt. Auch der Verschluss war eine Herausforderung. Der ursprüngliche Verschluss war aus Metall, was sich in unserem System jedoch als ungeeignet erwiesen hat. Deshalb entschieden wir uns für einen kompostierbarem Biokunststoff, der sich von Hand verschließen lässt und zum restlichen Materialkonzept passt.

Welche Vorteile bringt die Papierflasche für Gastronomie und Handel?
Bastian Jordan: Für die Gastronomie ist der direkte Vorteil vor allem das Handling. Die Flasche ist deutlich leichter und bruchsicher. Sie wiegt nur 83 Gramm, während eine vergleichbare Glasflasche in gleicher Füllmenge (750 ml) rund 440 Gramm wiegt. Das erleichtert den Transport und die Lagerung und den Küchenalltag. Außerdem passt sie besser ins Regal als andere Kartonlösungen.
Welche Rolle spielt die CO₂-Bilanz?
Bastian Jordan: Die Papierflasche verursacht 84 Prozent weniger CO₂ als eine Glasflasche. Das war für uns entscheidend, weil wir nur eine Lösung wollten, die in der Gesamtbilanz wirklich besser ist. Für uns ist Nachhaltigkeit kein Marketingbegriff, sondern ein messbarer Anspruch.
Nun befürchten vielleicht einige, dass die Qualität des Olivenöls leidet. Was verändert sich durch die Papier-Verpackung?
Bastian Jordan: Das Öl hat keinen direkten Kontakt zum Karton, sondern wird durch den Innenschlauch geschützt. Im Zweifel ist die Lösung sogar eher von Vorteil, weil sich der Beutel beim Entleeren leicht zusammenzieht und dadurch weniger Luft an das Öl kommt. Entscheidend ist: Die Qualität bleibt erhalten.
Wie reagieren Kundinnen, Kunden und Gastronomen auf die Papierflasche?
Bastian Jordan: Die Reaktionen sind überwiegend sehr positiv. Viele finden die Idee spannend und sind begeistert, weil sie sofort sehen, dass hier wirklich etwas Neues und Sinnvolles entstanden ist. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, vor allem von Menschen, die Kunststoff grundsätzlich skeptisch sehen. Aber wir haben uns ganz bewusst für diese Lösung entschieden, weil die Ökobilanz insgesamt deutlich besser ist. Wir sind aktuell die Einzigen mit einem passenden Ausgießer für diese Art von Flasche. Es gab zwar schon vorher Versuche, aber nicht in der Form, wie wir sie nun anbieten. Und uns ist wichtig, dass diese Lösung nicht nur für uns funktioniert. Wir wollen, dass sich etwas bewegt. Für uns ist wichtig, dass wir mit jedem Schritt unseren ökologischen Fußabdruck verbessern. Wenn andere Unternehmen später nachziehen, umso besser.







