ZukunftsMacher Buchtipp „Dienstschluss – Herausforderung Kommunalpolitik“ von Uwe Schneidewind
Rezension von Helmut Scheel
Das neue Buch von Uwe Schneidewind eröffnet einen Blick durch einen Türspalt in das politische Innenleben einer Stadt. Vielen ist der habilitierte Wissenschaftler und ehemalige Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie aus dem wissenschaftlichen Umfeld bekannt, ob als Redner oder Autor zum Beispiel seines Bestsellers „Die große Transfomation„. Als einer der führenden Transformationsforscher zeichnet ihn aus, dass er den Sprung von der Theorie in die Praxis gewagt hat und damit selbst zu seinem eigenen Experimentierfeld oder Reallabor wurde, von dem er am Ende des Buches mit dem Untertitel „Herausforderung Kommunalpolitik“ schreibt.
Sein Wirken als Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal beleuchtet er in diesem Buch, das er nach „Dienstschluss“, also nach seiner Amtszeit schrieb, durchaus selbstkritisch. Sein akribisches, Erkenntnisgewinnendes Tun ermöglichte ihm analytisch seine Dienstzeit zu beleuchten. Auch wenn der ehemalige Oberbürgermeister in der Ich-Form schreibt, ist es alles andere als eine selbstgefällige Biografie.

Prof. Uwe Schneidewind | Foto: Jens Steinig, SchraderStiftung
Die Verwaltungspartisanen
Über die Hälfte des Buches handelt von den Herausforderungen, Unzulänglichkeiten und Menschen, die hart daran arbeiten, keine (großen) Veränderungen zuzulassen; denen es wichtig ist, dass alles so bleibt, wie es ist. Diese Mitarbeitenden einer Kommune nennt er „Verwaltungspartisanen“. Sie tun alles, um das Gewohnte zu verteidigen. Sie sind ein Garant damit alles weiterhin läuft wie bisher. Sie kennen alle Gesetze und Verordnungen bis ins kleinste Detail, um ihre ihre Positionen zu verteidigen und ihre Handlungsweisen zu schützen.
Politische Ränkespiele
Daneben gibt es die Fraktionen des Gemeinderates. Hier kommt es, oft durch persönliche Interessen bedingt, zu parteipolitischen Ränkespielen. Dabei tritt die Sachpolitik für die Stadt in den Hintergrund. Vielmehr geht es um Partei- und Eigeninteressen.
Diese Schilderungen aus seinen persönlichen Erfahrungen machen das Buch menschlich, weil Uwe Schneidewind Einblicke liefert, die dem Bürger sonst verschlossen, bleiben. Es erzählt, im besten Sinne des Wortes, vom Leben eines Oberbürgermeisters und seinen Herausforderungen. Es hat die klassischen Protagonisten einer guten Erzählung von Gut und Böse, ohne jedoch Einzelne zu diskreditieren. Eine Kunst.
Die Macher in der Kommune
Im zweiten Teil des Buches geht es um die „Guten“, um die Macher in einer Stadt. In der Verwaltung nennt er sie Verwaltungsguerilla. Dies sind Menschen, die alles daransetzen, dass trotz vieler Widerstände Lösungen umgesetzt werden. Außerhalb der Ämter und städtischen Betriebe nennt er sie „Produktive Anarchisten“. Und davon kann eine Stadt nie genug haben, denn diese bringen mit viel Eigeninitiative die Kommune voran. Das können Unternehmer sein, wie zum Beispiel Jörg Heynkes, der unterschiedliche Projekte in Wuppertal wir zum Beispiel das Klimaquartier Arrenberg oder den Zukunftsort „Gut Einern“ angestoßen und verwirklicht. Oder die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, die der Stadt Wuppertal immer die Treue hielt. Beispiele, die zeigen, dass man mit Engagement dazu beitragen kann eine Stadt weiterzuentwickeln. eine en für viele andere unterschiedliche Menschen, welche mit ihrem persönlichen Elan für eine Weiterentwicklung einer Stadt beitragen und das schon seit langer Zeit, wie er historisch an Unternehmen in Wuppertal darlegt.
Im dritten Teil öffnet Schneidewind den Blick über den Tellerrand von Kommune, Bundesland und Staat auf andere Länder und Kontinente. Er betont, dass es weltweit Beispiele gibt, von denen wir in Deutschland lernen können. Es erfordert Mut und eine Fehlertoleranz. Es braucht Experimentierfreude und Durchhaltevermögen für die dringend notwendige Transformation. Der ehemalige Wuppertaler Oberbürgermeister ist sich sicher, dass wir das schaffen können, denn die Geschichte Deutschlands und aller Kommunen zeigt, dass wir uns immer verändert haben.
Fazit:
Wer ein kurzweiliges Buch mit Substanz sucht und dabei Lokalkolorit ebenso wie universelle Lehren entdecken möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. Die Schlüssellochperspektive eröffnet Einblicke, ohne die Protagonisten bloßzustellen. Es ist inhaltsreich und verständlich, ein politisch relevantes Buch, das durch den persönlichen Blick und seine Lebendigkeit überzeugt.






